Geldfälscher des Tages: Gioiosa Ionica

web S 08.jpg

Gioiosa Ionica ist eine rund 7.000 Einwohner zählende Gemeinde im äußersten Süden Italiens. Traditionell blutete der Ort eher aus, weil immer mehr Einwohner wegzogen. Doch das hat sich geändert: Flüchtlinge wurden aufgenommen, die den Weg über das Mittelmeer geschafft und nun in Italien um Schutz nachgesucht haben. Die 75 neuen Einwohner kurbeln nun den örtlichen Handel an und sorgen dafür, dass in lange leerstehende Gebäude wieder Leben einzieht.

Um das zu fördern, produziert die Stadtverwaltung ganz offiziell das wohl schönste Falschgeld Europas, mit dem man in den örtlichen Geschäften ganz legal einkaufen kann. Der Zehn-Euro-Schein zeigt das Bild Che Guevaras, auf dem 20-Euro-Billet ist Hugo Chávez zu sehen und den 50er ziert Karl Marx. Außerdem verkündet eine Losung »No Razzismo« – Gegen Rassimus.

Formell sind die »Banknoten« einfach Gutscheine. Eine Beschränkung, welche Waren für diese »Tickets« gekauft werden können, gibt es nicht.
Der Vorteil für die örtliche Administration ist, dass sie den Flüchtlingen auch dann ihr »Taschengeld« auszahlen kann, wenn sich die Überweisung aus dem fernen Rom mal wieder verzögert. Die Zentralregierung zahlt für jeden Asylbewerber in Gioiosa Ionica 35 Euro am Tag. Davon müssen Unterkunft, Verpflegung, medizinische Betreuung, Italienischunterricht, Hilfe bei der Arbeitssuche sowie ein kleines Taschengeld für die Menschen beglichen werden. Doch für die Gemeinde ist das ein gutes Geschäft. Bürgermeister Salvatore Fuda, der vor drei Jahren gerade wegen seines Versprechens gewählt worden war, Zuwanderer in den Ort zu locken, berichtete der britischenBBC: »Ein Projekt wie unseres mit 75 Flüchtlingen bringt uns rund eine Million Euro im Jahr«. 20 Arbeitsplätze sind auf diese Weise bereits entstanden.

Die Händler können ihr sozialistisches Geld übrigens bei der Einwanderungsbehörde in langweilige Euros umtauschen, sobald das Geld aus Rom eingetroffen ist. (scha)

Quelle: https://www.jungewelt.de/2016/07-28/038.php

Schreibe einen Kommentar