Heilbar: Birkendorfer ärgern sich über Stadt

Anwohner wollen keine „Heilbar“ in ihrer Nähe – Betreiber freut sich auf Eröffnung

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Biberach sz Einige Birkendorfer sind stinksauer. Die Nachricht, dass die Disco „Heilbar“ künftig in ihrer direkten Umgebung eröffnen könnte, stößt auf Unbehagen. Verärgert sind sie aber am meisten darüber, dass der Biberacher Gemeinderat dem Vorhaben für eine neue Diskothek auf dem Grundstück Haberhäuslestraße 14 fast einstimmig zugestimmt hat (SZ berichtete), obwohl bereits im Vorfeld klar war, dass einige Anwohner strikt dagegen sind.

„Die Entscheidung ist für uns überhaupt nicht akzeptabel“, sagt Inge Bopp. „Sämtliche Bedenken von uns Anwohnern wurden mit einer bürgerunfreundlichen Argumentation abgeschmettert.“ Damit meint die 49-Jährige ein 14-seitiges Dokument, das den Anwohnern zugegangen ist. Die Verwaltung nahm dort zu jedem kritisierten Punkt Stellung.

Den Vorwurf der Birkendorfer, die Stadt nehme ihre Bürger nicht ernst, weist Pressesprecherin Andrea Appel entschieden zurück: „Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst. Die Einwände wurden deshalb ausführlich bearbeitet und gewürdigt“, sagt die Pressesprecherin. „Verwaltung und Gemeinderat haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und alle Argumente, die vorgebracht wurden, sorgfältig abgewägt. Dabei wurde keinesfalls verkannt, dass Anwohner belastet werden, allerdings sind keine unzumutbaren Verhältnisse zu erwarten.“ Zudem gebe es auch viele Menschen, die sich diese Disco wünschen.

Inge Bopp, Silvia Boscher, Iris Röhl, Stefanie Seidel, Irmgard Steinwandel und Richard Heinz sind damit nicht einverstanden. Sie sammelten 219 Unterschriften gegen die Disco-Pläne. Ohne Erfolg, denn der Beschluss ist gefasst.

„Wir haben keine Chance mehr. Die Sache ist durch“, sagt Stefanie Seidel. „Jetzt können wir nur hoffen, dass es aus irgendwelchen Gründen doch nicht funktioniert.“ Ihr geht es größtenteils um den Lärm: „Ich kann jetzt schon manchmal nachts nicht schlafen, weil es so laut ist“, sagt die 39-Jährige. Nachts seien schon jetzt viele Autos mit lauter Musik unterwegs, auch die Kreissparkasse sei sehr stark frequentiert. „Ich hätte mir von einem Gemeinderat, der auch von uns gewählt wurde, mehr erhofft. Wir wurden überhaupt nicht ernst genommen.“

In einer Sitzung des Gemeinderats im Juli hatte Baubürgermeister Christian Kuhlmann zugesichert, dass es eine weitere Bürgerbeteiligung geben solle. „Darauf warten wir heute noch“, ärgert sich Irmgard Steinwandel. „Denn jetzt plötzlich ging das alles Schlag auf Schlag.“

Die Anwohner fürchten aber nicht nur mehr Lärm, sondern sie haben auch Angst um ihre Sicherheit. „Ich traue mich ja jetzt schon manchmal nachts nicht allein nach Hause, weil so viele Alkis unterwegs sind“, sagt Iris Röhl. „Wie wird das dann wohl erst, wenn die Saufhalle öffnet.“

Drogen und Dreck seien zudem weitere Probleme, die eine „Heilbar“ mit sich bringe. „Die Stadt schmettert das aber alles ab“, sagt Inge Bopp. Im sogenannten Abwägungsvorschlag der Verwaltung steht zum Beispiel: „Der Konsum und Missbrauch von Betäubungsmitteln ist gegenwärtig ein weitverbreitetes Phänomen und somit leider – bedrückende – Realität.“ Was die Verschmutzung angehe, so obliege die Versicherungspflicht und Reinigung öffentlicher Straßen, Wege und Grünflächen der Stadt. „Da frage ich mich, wer die Kosten dafür trägt? Wir Biberacher? Das ist wohl nicht im Sinne der Biberacher Bevölkerung“, ist sich Inge Bopp sicher. Sie kann nur hoffen, dass die „Heilbar“ und auch jede andere Disco nicht funktioniert.

Auflagen kann Betreiber erfüllen

Visar Rama, der die „Heilbar“ hinter der Spielothek an der Haberhäuslestraße eröffnen möchte, sieht das natürlich ganz anders. „Ich habe so lange darauf gewartet, dass es in Biberach wieder eine Möglichkeit für mich gibt. Ich freue mich sehr darauf und habe bereits viel Geld investiert.“ Im April 2013 musste er die „Heilbar“ am Biberacher Bahnhof schließen, da der Pachtvertrag geendet hatte und nicht verlängert worden war. Für den neuen Standort muss er eine Reihe von Auflagen erfüllen: „Das schaffe ich aber“, versichert Rama. Unter anderem muss er eine vier Meter hohe und 80 Meter lange Lärmschutzwand in Richtung Rißstraße errichten. Außerdem muss er im Hof weitere 70 Stellplätze nachweisen. Wann die Gäste allerdings wieder in der „Heilbar“ feiern können, ist noch unklar.

Quelle: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Heilbar-Birkendorfer-aergern-sich-ueber-Stadt-_arid,10516910_toid,112.html

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